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Sonderausstellung: 

Rund um den Flachs
29.09.2012  Von: red :  Fränkischer Tag 

Unter dem Titel "Von alten Knackern und Leerwaafn" zeigt das Heimatmuseum in Ebern den Weg von der Flachspflanze zum Leinenhemd auf. Die Sonderausstellung wird von einer reihe besonderer Veranstaltungen rund um die Textil-Produktion anno dazumal flankiert.

 

Da muss er aufpassen, dass er sich nicht verhaspelt: Der Leiter des Eberner Heimatmuseums, Ingo Hafenecker, sitzt freudig kurbelnd an einem offensichtlich überholten Arbeitsgerät, der Weife, auch Haspel genannt, und verkündet vergnügt: "Jetzt bin ich ein alter Knacker!"

Vielleicht auch eine "Leerwaafe"? Nur im übertragenen Sinn, versteht sich, denn Garn ist jedenfalls nicht auf der "Waafe", die bei jeder Umdrehung ein lautes Knacken von sich gibt - daher die Namen.
Was er zu erzählen hat, ist alles andere als leer: Vom 30. September bis 25. November fährt das Heimatmuseum die zweite Sonderausstellung des Jahres auf. Sie behandelt alle Verarbeitungsschritte einer der ältesten und bedeutsamsten Kulturpflanzen: "Von der Flachspflanze zum Leinenhemd".

Professionelle Hilfe


Für die Umsetzung hat sich Ingo Hafenecker einige Unterstützer mit ins Boot geholt: Stefan Andritschke von der Meisterschule Ebern sorgt für eine professionelle Beschilderung der Ausstellungsstücke, und zusammen mit Schreiner Andreas Remshard ist er fürs Sägen, Schrauben und Aufstellen zuständig. Die Infotexte stammen von Carolin Ebert aus Unterpreppach, die Idee hatte der Museumsdirektor höchstpersönlich.
Momentan sind die Vier noch kräftig am Werkeln. Da müssen Vitrinen befüllt, Schilder gerückt, Gerätschaften gewuchtet, und Leinen- und Pappwäsche aufgehängt werden.

Pappwäsche? In der Tat: Stefan Andritschke hat Socken, Hosen und Hemden aus Bastelkarton zurechtgeschnipselt und an einer Wäscheleine gegenüber der echten Leinenkleider aufgehängt. Jedes Papier-Kleidungsstück kann einem Monat im Flachs-Jahr zugewiesen werden und beschreibt genau, welche Vorkehrungen wann getroffen wurden - damals, als die Ackerpflanze in Deutschland noch nicht ausgestorben war.
Aufgrund steigender Importe maschinengewebten Leinens und der zunehmenden Verwendung von Baumwolle musste der großflächige Flachsanbau Anfang des 19. Jahrhunderts weichen. Dabei gewannen schon die alten Ägypter Leinen aus Flachsfasern, was das blaue Ackerkraut zu einem Kulturgewächs macht.

Als solches lässt es der Bürgerverein nun im Heimatmuseum aufleben. Sobald alle Geräte am richtigen Platz stehen, greift sich der Vorsitzende gleich einmal "an Hampfl" (eine Hand voll) und zieht diesen ruckartig durch das Riffeleisen. Test bestanden: Die eisernen Zacken streifen die Samenkapseln von den Flachs stängeln. "Gar nicht so einfach", staunt Ingo Hafenecker über die anstrengende Arbeit. Und mit dem Riffeln ist die Verarbeitung noch längst nicht getan: Es folgen noch mindestens drei Arbeitsschritte, je nachdem, was man aus dem vielseitigen Flachs gewinnen möchte. "Da ist ja alles verwendbar, da geht nichts verloren. Man kann Leinen weben, Öl gewinnen, ihn als Heilpflanze benutzen ..."

Ursprung vieler Sprichwörter


Und ihn zum Thema einer Sonderausstellung machen. Während Andreas Remshard und Stefan Andritschke noch an der letzten Station schrauben, erklärt Carolin Ebert, wie diese funktionieren soll: "Flachs ist der Ursprung vieler Sprichwörter, wie ‚Gut betucht sein, ‚den Faden verlieren' oder ‚sich verhaspeln'". Im Heimatmuseum werden drehbare, hölzerne Schildchen aufgestellt, die auf der Vorderseite eine dieser Weisheiten darstellen und auf der Rückseite dieselbe erklären.

Das und noch viel mehr zum Thema Leinen und Flachs, wollen die Vier zum Start ihrer Ausstellung den Besuchern mit auf den Weg geben. Scheint, als wäre ein Besuch des Eberner Heimatmuseums für "eine Fahrt ins Blaue" in jedem Fall die richtige Wahl.

Besondere Aktionstage


Flachsbearbeitung Die Sonderausstellung "Von alten Knackern und Leerwaafn - von der Flachspflanze zum Leinenhemd" wird von Aktionstagen begleitet. Den Anfang macht am Sonntag, 7. Oktober, Herbert Mauder vom Heimatmuseum Mellrichstadt mit einer Vorführung der Flachsbearbeitung an den Eberner Geräten von 14 bis 15 Uhr.

Weben Heidemarie Stettner bietet am Sonntag, 21. Oktober, ab 15 Uhr kreatives Weben mit Leinen und anderen Materialien an. von Johanna Krause


Kinderweben Am Sonntag, 11. November, dürfen Kinder von acht bis 15 Jahren von 14 bis 17 Uhr mit Dorothea Böttcher weben (Voranmeldung unter Rufnummern 09531 8839).

Strickabende Zudem finden am 8., 15. und 29. November Strickabende statt.

Er steht ganz am Anfang: Ingo Hafenecker zieht den Flachs durch das Riffeleisen.

Fotos: Johanna Krause - FT-Ebern

 

 

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