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40 Jahre ist das Heimatmuseum Ebern alt!

 

Zeit, sich wieder einmal zu erinnern.

 

„Sie sind heute Zeuge eines nicht gerade bedeutsamen, aber
immerhin bemerkenswerten Ereignisses“ mit diesem Satz begann Simon Hafenecker,
der damalige Vorsitzende des Bürgervereins Ebern, seine Ansprache zur Eröffnung
des Museums am 12. Januar 1974 im Sitzungssaal des alten Rathauses.. Heute, auf
den Tag genau 40 Jahre später, kann man rückblickend feststellen: hier irrte
der Vorsitzende. Denn dieses Heimatmuseum ist recht bedeutsam für die Stadt
geworden und längst nicht mehr aus Ebern wegzudenken.

Viele Menschen, Einheimische und Fremde, habe es seitdem
besucht, haben sich von seiner Atmosphäre einfangen lassen oder haben gestaunt
über die Lebensumstände ihrer Eltern und Großeltern. Das Museum hat ihnen
Freude bereitet. Und es hat die Menschen hier sensibelgemacht für den Wert des
Alten und Überkommenen. Man schmeißt nicht mehr einfach alles weg. Nur schade,
dass immer noch gerade Alteingesessene oft lieber den Trödler einschalten als
das Heimatmuseum, wenn sie alten „Krempel“, Möbel, Werkzeuge, Haushaltsgegenstände
loswerden wollen.

Wie kam es eigentlich zur Gründung dieses Heimatmuseums?

Reinhold Limpert hat in der Jahresgabe des Bürgervereins von
1980 sehr schön die Stimmung und die Situation beschrieben, die ihn als jungen
Mann zum Gründungsmotor des Heimatmuseums Ebern hat werden lassen. Ich zitiere:

„Die Idee der Errichtung eines Heimatmuseums geht bis auf
das Jahr 1960 zurück, wobei das Haus Hans Einwag in der
Ritter-von-Schmitt-Strasse 148 eine sehr wichtige Rolle gespielt hat. Eine
Modernisierungswelle hatte das Land erfasst. Vielerorts kam es zum Abbruch
alter Häuser oder zum Umbau historischer Gebäude. Dabei wanderte das alte
Inventar oft achtlos auf dem Müllhaufen oder wurde gegen ein paar Mark an
„fliegende Antiquitätenhändler“ abgegeben, die natürlich bereitwillig die Ware
übernahmen. Der „alte Krempel“ musste allgemein modernen Möbeln und
neuzeitlichen Einrichtungsgegenständen weichen. Gespräche über Möglichkeiten,
den in Gang gekommenen Ausverkauf fränkischen Brauchtums und historischer Werte
der engeren Heimat zu unterbinden, wurden im Hause Hans Einwag Tradition. An
diesen Gesprächen nahmen immer wieder neben der Familie Einwag deren Sohn Hugo
und dessen Freund und Nachbar Reinhold Limpert teil.

Bei den Überlegungen, was man tun könne, wurde der Gedanke
der Errichtung eines Heimatmuseums fast zwangsläufig geboren. Dabei war es
notwendig, durch Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung den „Wegwerftrend“ in
einen „Erhaltungstrend“ umzuwandeln.“

Es blieb nicht bei dem Gedanken. Reinhold Limpert und Hugo
Einwag entwickelten Aktivitäten der verschiedensten Art, führten Gespräche u.a.
mit Kreisheimatpfleger Karl Hoch, Vertretern der Stadt, Vereinsvorständen, der
Geistlichkeit, mit Herrn Dr. Berninger, Pfarrweisach, warben wo immer es anging
um Unterstützung für ihre Idee. Auch stellten sie erste Überlegungen wegen
einer Räumlichkeit an; vorerst dachte man an das Ossarium.

Hans Einwag derweil – seinerzeit 2. Vorsitzender des
Bürgervereins – brachte erstmals am 19. April 1961 in einer Vorstandssitzung
den Antrag ein, der zum Beschluss erhoben wurde, „zwecks Erstellung eines
Heimatmuseums sollten altertümliche Geräte aus Handwerk und Landwirtschaft
sowie Urkunden gesammelt werden.“

Aber es dauerte weitere vier Jahre, bis die Sache konkreter
wurde. Die beiden jungen Männer Reinhold Limpert und Hugo Einwag hatten sich
zwischenzeitlich dem Bürgerverein angeschlossen, um von hier aus ihrem Anliegen
mehr Nachdruck verleihen zu können. In einer Sitzung am 03. Februar 1965 bei
Gall, zu welcher der Verein die beiden Initiatoren eingeladen hatte, ihr
Vorhaben zu erläutern, wurde beschlossen, „für ein zu erstellendes Heimatmuseum
mit dem Sammeln älterer Stilmöbel und von Handwerkszeugen der Großeltern und
Ahnen zu beginnen.“ Die gesammelten Stücke sollten im Rathaus untergebracht
werden. Reinhold Limpert und Hugo Einwag wurden mit der Durchführung dieser
Aufgabe betraut.

So richtig ins Laufen kam das Unternehmen Heimatmuseum aber
erst mit der Wahl Reinhold Limperts zum 1. Vorsitzenden des Vereins am 28.
April 1968. Von nun an war das Heimatmuseum Dauerthema im Verein. Reinhold
Limpert bezeichnete in seinem vorerwähnten Artikel in der Jahresgabe 1980 die
öffentliche Ausschusssitzung vom 30. April 1968 im Rathaus als
„Startveranstaltung“. An ihr nahmen neben der Vorstandschaft Landrat Dr.
Reuther, Oberinspektor Christian Frieß, Geistlicher Rat Dr.Haller, Dekan
Schöffel, 2. Bürgermeister Diterich, Oberschulrat Hofmann, Dr. Berninger und
August Hermsdörfer als Vertreter der Stadt Ebern teil.

Hier wurden die Weichen endgültig in Richtung Heimatmuseum
gestellt

Viel Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit war in der
Folgezeit nötig. Es wurde im ganzen Landkreis und darüber hinaus gesammelt und
gesichtet, viele Fahrten und Transporte mussten durchgeführt werden. Die Stadt
stellt als Übergangslager das Dachgeschoss der alten Volksschule zur Verfügung
und übernahm die Versicherung der eingelagerten Gegenstände. In Bürgermeister
Franz Hübl hatte man einen tatkräftigen Förderer.

Am 22. März 1970 legte Reinhold Limpert berufsbedingt – er
wurde nach Schweinfurt versetzt – das Amt des 1. Vorsitzenden nieder und Simon
Hafenecker, seit einem Jahr stellvertretender Vorsitzender des Vereins, wurde
sein Nachfolger.

Wenn der neue Vorsitzende geahnt hätte, worauf er sich
einließ, würde er die Erbschaft „Errichtung eines Heimatmuseums Ebern“
möglicherweise abgelehnt haben. So aber sah er – von Beruf Verwaltungsbeamter –
zunächst nur die organisatorische Seite: Es 
galt, die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, ein oder zwei Räume
zu finden, in diesen die vorhandenen Exponate aufzustellen – wozu sich wohl
noch jemand finden lassen würde, der was davon versteht – und dieses Kind
„Heimatmuseum“ dann der Stadt Ebern zu übergeben, die sollte es großziehen.

Aber es kam anders. Am 1. April 1970, acht Tage nach seiner
Wahl, stellte der neue 1. Vorsitzende einen Antrag an die Stadt, man möge
geeignete Räume für ein Heimatmuseum zur Verfügung stellen. Das Schreiben blieb
unbeantwortet.

Das Obergeschoss im Ossarium kam wieder ins Gespräch und
wurde besichtigt, das alte Schulhaus (heute kirchlicher Kindergarten) ebenso
das zu diesem Zeitpunkt bereits aufgelassene alte Brauhaus. Alle diese
Möglichkeiten wurden verworfen. Im Verein liebäugelte man mit dem Untergeschoss
des Rathauses, das damals  als städtischer
Bauhof genutzt wurde, und dachte gar an das ganze Rathausgebäude. Das gäbe ein
Museum! (Hier ist anzumerken, dass auch Bürgermeister Hübl der Meinung war,
dass im Rahmen der Gemeinde- und Gebietsreform die Verwaltung eines Tages in
das Landratsamt, dem heutigen Ämtergebäude, übersiedeln werde und das dann
freigewordene Rathaus später als Museum ausgebaut werden könnte.)

Im August 1971 wurde erneut ein Antrag an die Stadt
gestellt. Diesmal erreichte man mehr: Mit Wirkung vom 01.Oktober 1971 wurden
aufgrund der von Bürgermeister Franz Hübl geführten Verhandlungen die drei
Erdgeschossräume in der alten Sparkasse neben dem Grauturm, in der zuletzt die
AOK-Geschäftsstelle untergebracht war, durch die Stadt Ebern für 50 DM
monatlich angemietet und dem Bürgerverein für das „Stadtmuseum“ – den Namen
Heimatmuseum erhielt es erst später – zur Verfügung gestellt mit der Bitte,
„veranlassen zu wollen, dass die gemieteten Räume alsbald ihrer Zweckbestimmung
zugeführt werden.“

Die Freude war groß, wenn auch nicht ungeteilt. Nicht alle
Verantwortlichen des Bürgervereins hielten die angebotenen Räume für geeignet.
Außerdem brachte die erste Besichtigung ziemliche Ernüchterung: So waren die
Räume wirklich nicht zu gebrauchen! Abgesehen vom allgemein schlechten
Bauzustand – was sollte man mit einer Schalteranlage samt Sockel, mit
eingebauten Panzerschränken und Telfonzellen anfangen? Wie sah der Fußboden
aus, die Wände, die Decken? Und die Fensterfronten – kahl und unfreundlich! Das
Rathaus wäre halt doch schöner gewesen!

Aber man musste endlich anfangen, das war man seinem Ruf und
den vielen Sachspendern schuldig. Und so begann man mit dem Ausbau der Räume,
ohne Geld zwar, aber mit um so mehr Idealismus.

Einen Fachmann für Museumseinrichtung hatte man nicht, dafür
aber einen für Innenausstattung: Adolf Hafenecker. Er schlug mit seiner
Dekoration – Teppichfußböden, Vorhänge und Stoffblenden, mit denen er die oben
genannten Mängel kaschierte -  die
Richtung ein, die später manchen Experten die Hände über den Kopf
zusammenschlagen ließ, denn nach den Kriterien der Fachleute hatte solcher, von
den Ausstellungsobjekten ablenkender „Firlefanz“ in einem Museum nichts zu
suchen. Den Besuchen aber gefiel es. Die Räume erhielten ein für ein Museum
zwar unübliches Gesicht, dafür aber eine wohltuende, eine wohnliche Atmosphäre.

Schließlich war es so weit, dass man mit der Aufstellung der
Museumsobjekte beginnen konnte. Da es auch hier an einer Fachkundigen Kraft
mangelte, übernahm der 1. Vorsitzende des Vereins, Simon Hafenecker,
notgedrungen diese Aufgabe. Man muss sich in Erinnerung rufen, dass damals der
Raum zwischen Bamberg, Coburg und Schweinfurt noch Museums-Niemandsland war;
das einzige „Heimatmuseum“, das man sich zum Vorbild hätte nehmen können, war
in Staffelstein, das sich aber zu dieser Zeit in einem denkbar desolaten
Zustand befand. Außerdem war an fachkundiger Beratung z.B. seitens der
Landesamt für Denkmalpflege so gut wie nicht zu denken. Was sollte das auch,
wieder so eine Museumsgründung durch Laien!

Richtig ist allerdings, dass heute jederzeit auf die
Unterstützung der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen zurückgegriffen
werden kann. Der damalige Leiter Dr. Reß, der leider kurze Zeit später tödlich
verunglückte, beriet Stadt und Verein immerhin bei der Eignung der Räume und
sein Nachfolger Dr. Wittgenstein informierte sich über den Fortgang der
Arbeiten am und im Heimatmuseum, während dessen Nachfolgerin Frau Dr. Rieger
keine Zeit mehr für Ebern fand.

Es war Kunsthistoriker Dr. Heribert Keh, der den
Vereinsoberen bei der Planung dieses Museums die ersten Grundlagen vermittelte,
bei der Suche nach geeigneten Räumen half und den Verein mit seinem Rat zur
Seite stand.

Simon Hafenecker begann also mit seinen Helfern mit der
Aufstellung der verhältnismäßig noch wenigen Exponate, die sich im Sammellager
unter dem Dach der alten Volksschule und ím Keller der heutigen Meisterschule
angehäuft hatten.

Aber wie macht man das? Was gehört wohin? Ein Konzept im
eigentlichen Sinne hatte Simon Hafenecker 
nicht. Woher auch. Eine ungefähre Vorstellung vielleicht. Und so fing er
an, stellte das eine hier und das andere dort hin, glaubte „die“ Lösung
gefunden zu haben, verwarf sie wieder, räumt um und begann von neuem, schob die
Schränke, Truhen, Betten, die Böller und anderen Gegenstände von rechts nach
links und von vorne nach hinten, begutachtete, verbrachte schlaflose Nächte,
machte neue Versuche, bis endlich der festgesetzte Termin der Eröffnung keine
weiteren Änderungen mehr zuließen.

Nicht alles passte zusammen, vieles hatte man mehr nach
dekorativen als Sachzusammenhängen platziert, aber es gefiel, wie sich noch
herausstellen sollte.

Der Anfang seiner späteren Karriere als Museumsleiter war
damit gemacht. Simon Hafenecker sollte sich in den folgenden Jahren durchaus
noch zu einem „Museumsfachmann“ entwickeln.

Viele Vereinsmitglieder arbeiteten damals bei der ersten
Einrichtung des Heimatmuseums tatkräftig und ehrenamtlich mit. Sie sollen an
dieser Stelle genannt sein:

Da sind Adolf Hafenecker und Otto Schuhmann zu nennen, die
von der ersten Stunde an zusammen die bauliche Innenausstattung durchgeführt
haben; der unvergessene Hauptlehrer und damalige Kreisheimatpfleger Willi
Bergmann aus Brünn, der die Kopien und Übersetzungen der Urkunden beschaffte
oder Hans Güßbacher, der mit vielen Leihgaben, darunter eine wertvolle
Zinnsammlung, aushalf. Ferner August Hermsdörfer, dessen heimatgeschichtlichen
Kenntnisse sich als besonders hilfreich erwiesen. Auf immer sind die Namen von
Hans Einwag, Robert Einwag, Josef Klee, Hans Grimmer oder Hans Krebs mit dem
Heimatmuseum verbunden.

Des weiteren sind als Helfer beim Ausbau und der Einrichtung
des Museums zu nennen Lorenz Bayer, Peter Benkert, Konrad Daut, Hugo
Einwag,  Reinhold Limpert, Fritz Maurer,
Harald Pschenitschka, Hans Reich, Klaus Schumacher, Walter Weisel, Erich
Wolfschmidt und Klaus Yersin, die alle bei der Heimatfeier am 31. März
1974  eine Ehrenurkunde für ihr Mitwirken
erhalten haben.

Bei allem Idealismus der Vereinsmitglieder, ganz ohne Geld
ist es natürlich nicht gegangen. Es ist interessant, mit welch bescheidenen
Mitteln man ausgekommen ist. So sah beispielsweise der haushaltsplan 1973 aus:

 

Einnahmen

Eigenmittel                                                                            DM   1.005

Private
Spenden                                                                   DM   1.500

Eigenleistungen                                                                     DM   2.500

Zuschuss
der Stadt Ebern                                        DM   2.000

Zuschuss
des Landkreises Ebern                             DM   3.500

Zuschuss
aus dem Grenzhilfeprogramm                 DM   3.000

Insgesamt                                                                             DM  14.005

 

Bei der Geldbeschaffung für den Auf- und Ausbau des
Heimatmuseums hatte der Bürgerverein Ebern das Glück, in Dr. Albert Meyer, der
seit 1976 dem Verein als Mitglied angehört, einen großen Förderer zu haben. Ihm
verdanken der Bürgerverein und das Heimatmuseum sehr viel,. Er hat als
Stimmkreisabgeordneter und später als Staatssekretär im Bayer.
Finanzministerium immer wieder Geldquellen erschlossen. Ohne seine Hilfe hätte
es manchmal finster ausgesehen.

Im gesamten Zeitraum des Aufbaus des Museums haben wir 60.500
DM an Zuschüssen erhalten.

Gar mancher der Ehrengäste, die sich am 12. Januar 1974 im
alten Rathaus zur Eröffnung des Heimatmuseums eingefunden hatten, mag skeptisch
gewesen sein, ob  er nicht der Taufe
einer Missgeburt beiwohnen würde. Wenn solche Zweifel vorhanden waren, dürften
sie sich spätestens bei der ersten Besichtigung des „Täuflings“ Heimatmuseum
verflüchtigt haben.

Im Gegenteil, kaum einer war nicht überrascht und
beeindruckt von dem Geschaffenen. Die allgemeine Anerkennung war den Mitarbeitern
der schönste Lohn.

Ebern hatte sein Heimatmuseum, drei Räume nur, aber
immerhin.

Was aber war aus der ursprünglichen Absicht, das Neugeborene
in die Obhut der Stadt Ebern zu geben, geworden?

Mit Beschluss vom 02. August 1973 lehnte der Stadtrat einen
entsprechenden Antrag des Bürgervereins ab, sicherte aber größtmögliche
Unterstützung im Rahmen der gebotenen Möglichkeiten zu.. Dem Verein wurde
anheim gestellt, rechtzeitig vor Jahresende 1973 einen grundsätzlichen Beschluss
auf die eigene Trägerschaft des Heimatmuseums zu treffen. Im Falle einer
Ablehnung „sieht sich der Stadtrat Ebern gezwungen, den Mietvertrag mit der
Sparkasse zum Jahresende zu kündigen.“

Dieses Ansinnen stieß zunächst auf erhebliche Ablehnung
innerhalb der Vorstandschaft; man glaubte sich aufgrund der Personal- und
Finanzlage des Vereins überfordert. Was sollte man tun? Und wie stünde man vor
den vielen Spendern und Leihgebern da? Also „müsse der Verein vorerst einmal
selbst die Trägerschaft übernehmen“. Eine außerordentliche
Mitgliederversammlung im Oktober 1973 stimmte diesem Vorschlag zu.

Diese Entscheidung veränderte den Bürgerverein grundlegend
und hatte weitreichende Folgen: Die Vereinssatzung musste neu gestaltet werden,
der Verein wurde ins Vereinsregister eingetragen und erlangte Gemeinnützigkeit,
der Jahresmitgliedsbeitrag wurde um satte 100 Prozent von fünf auf zehn DM
erhöht und das Ansehen stieg ebenso sprunghaft wie die Mitgliederzahl, die sich
in diesem Eröffnungsjahr verdoppelte. Vor allem aber stand und steht seit
diesem Tag das Museum im Mittelpunkt aller Vereinstätigkeit.

War das Sammeln von Ausstellungsgut vor der Eröffnung
relativ schwierig, so änderte sich dies jetzt. Von allen Seiten wurden
Gegenstände angeboten, so dass das Lager sehr bald aus allen Nähten platzte und
eine Erweiterung dringend geboten war. Man durfte ob der Menge des sich
ansammelnden Gutes schon jetzt froh sein, dass es nicht zu der ursprünglich
gewollten Lösung Ossarium gekommen war.

Im Sommer 1977 konnten die ersten drei Räume des 1.
Obergeschosses in das Museum einbezogen werden; außerdem entschloss man sich,
den bis dahin als unbrauchbar gehaltenen Dachboden – eine kaum betretbare
Rumpelkammer, in die der Himmel durch die Ritzen der Dachziegel hereinschaute –
auszubauen. Herausgekommen ist der Raum für die landwirtschaftlichen Geräte,
der vielleicht schönste und stilvollste Teil des Museums.

Zwei Jahre später wurden die zwei noch im Haus befindlichen
Wohnungen im 1. und 2. Obergeschoss frei und seitens der Stadt dem Verein zum
weiteren Ausbau des Museums überlassen.

Der Elan und die Begeisterung waren ungebrochen. Erneut
rückten die freiwilligen Helfer an, arbeiteten und werkelten wochenlang, bis
auch diese Zimmer für ihre heutige Verwendung hergerichtet waren.

Wieder, wie schon bei der vorhergegangenen Ausbauphase taten
sich Adolf Hafenecker und Otto Schuhmann durch handwerkliches Geschick und
unermüdlichen Einsatz hervor. Ihnen zur Seite standen Werner Klement, Reinhold
Limpert, Harald Pschenitschka, Fritz Zapf und Ingo Hafenecker sowie – bei der
ersten Erweiterung 1977 – Willi Henig und Jürgen Reich. Später verdienten sich
auch Siegfried Birklein, Paul Fuchs und Bertram Wolgien noch ihre Meriten.

Bevor man daran ging, auch diese Räume einzurichten, nutzte
man die noch leeren Zimmer, um der Sonderausstellung „Wäsche und Wäschepflege
in zwei Jahrhunderten“ Neuland zu betreten. Diese erste Ausstellung hatten
großen Zuspruch, nicht zuletzt deshalb, weil die Welle Mainfranken live davon
berichtete. Viele weitere Ausstellungen sollten in den kommenden Jahren folgen.
Erinnert sei vor allem auch an die großartige „Ausstellung zur Geschichte des
Eberner Handwerks“ im Rathaussaal, die Dr. Heribert Keh zusammen mit seiner
Frau Marianne Keh 1984 aus Anlass des 10-jährigen Bestehens des Heimatmuseum
konzipiert hatte.

Inzwischen waren es 26 Sonderausstellungen, die im
Heimatmuseum zu sehen waren, davon in den letzten 10 Jahren alleine 16!

Durch die Einbeziehung der neuen Räume in den Museumsbereich
war eine völlige Umgestaltung des Hauses erforderlich. Simon Hafenecker,
inzwischen Museumsleiter, löste auch diese Aufgabe mit Erfolg. So konnte das
„Eberner Schatzkästlein“ – wie man es auch genannt hat – am letzten Juli-Sonntag
des Jahres 1981 zum dritten Mal eröffnet werden.

Simon Hafenecker, der „Schöpfer des Eberner Heimatmuseums“,
hat für seine Leistung von vielen Seiten Auszeichnungen und Ehrungen erhalten
darunter die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik
Deutschland. Die schönste Anerkennung dürfte für ihn aber die
„Konrad-Adenauer-.Medaille in Bronze“ der Kommunalpolitischen Vereinigung der
CDU/CSU Deutschland gewesen sein, die der Verein für die Schaffung dieses
Heimatmuseums erhielt. Am 16. November 1985 nahmen  er und sein Vorgänger Reinhold Limpert  in Lübeck aus der Hand von Ministerpräsident
Dr. Uwe Barschel die Auszeichnung entgegen..

Bei einem Rückblick über 40 Jahre Heimatmuseum dürfen die
Frauen und Männer nicht vergessen werden, die Sonntag für Sonntag und an vielen
Werktagen ehrenamtlich und unentgeltlich ihre Freizeit opfern und den
Aufsichtsdienst versehen, einige von ihnen 
von Anfang an. Sie tun das sozusagen anonym, ohne darauf hoffen zu
können, dass ihnen Dank und persönliche Anerkennung zuteil wird; wenn`s hoch
kommt, werden sei einmal pauschal in einem Rechenschaftsbericht erwähnt. Auf
die Leistung dieser Mitglieder im Dienste der Allgemeinheit darf der
Bürgerverein mit Recht stolz sein.

Freilich, man erlebt als Diensttuender im Museum auch viel
Schönes; man begegnet interessanten Menschen aus aller Welt, kommt mit ihnen
ins Gespräch und ins Fachsimpeln über Gebrauch und Bedeutung der alten Sachen,
nimmt teil an ihren Erinnerungen und an den Entdeckerfreuden der Kinder, es ist
ein Geben und Nehmen. Oft geht man nach solchem Dienst bereichert nach Hause.

Nachdem die Aufbauphase zu Ende war, wurde sehr schnell
spürbar, dass für den Betrieb des Museums eine Fachkraft fehlt, zumal sich das
altersbedingte Ausscheiden des bisherigen Museumsleiters Simon Hafenecker
allmählich abzeichnete.

Der Verein wandte sich deswegen 1992 an Landrat Rudolf
Handwerker und bat um Unterstützung der Museen des Landkreises. Diese ließ sich
nach einem Gespräch mit allen Beteiligten im Landratsamt Hassfurt nicht zweimal
bitten. Mit Zustimmung des Kreistages startete er unter finanzieller und
ideeller Beteiligung des Bezirksheimatpflegers Dr Worschech in Würzburg ein
Pilotprojekt und stellte mit Frau Sibylle Kneuer eine Museumsfachkraft für den
Landkreis ein. Ihre Aufgabe war es zunächst, die bestehenden Museen und
Sammlungen zu analysieren und Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Das vordringlichste Problem, das sich für unser Haus auftat,
war das fehlende wissenschaftlich fundierte Inventarverzeichnis, die Grundlage
jeder Museumsarbeit, „weil es“ wie es in der Analyse von Frau Kneuer heißt, „
die Basis aller konzeptionellen Überlegungen bildet, das heißt die
Grundinformationen zum einzelnen Objekt bietet und damit erst dessen
historisches Umfeld lebendig und vermittelbar werden lässt.“

Die Vorstandschaft mochte sich diesen Erkenntnissen nicht
verschließen, zumal seitens der Landesstelle 
für die nichtstaatlichen Museen und vom Regierungsbezirk für eine solche
bestandssichernde Maßnahme Mittel bereitgestellt würden und auch die Stadt
Ebern das ihre dazu tat.

Mit der Durchführung des 1. Inventarisierungsabschnittes
Handwerksgeräte wurde Herr Gerald Freyer, Student der Volkskunde aus Bamberg,
beauftragt. Hierzu wurde ein Werkvertrag geschlossen.  Zur Fortsetzung der Inventarisierung gelang
es dann, eine ABM-Stelle vom Arbeitsamt Schweinfurt zubekommen, die mit Herrn
Dr. Georg Habermehl aus Bamberg besetzt wurde.

Durch die Arbeit der beiden Wissenschaftler hat unser Museum
an Ansehen und Beachtung in der Fachwelt gewonnen.

Nach 5 Jahren war die Maßnahme beendet. Abgeschlossen war
die Inventarisierung damit aber noch lange nicht, daran arbeiten wir im Prinzip
noch immer, zumal die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen vor einigen
Jahren ein eigenes Computer-Investierungsprogramm namens VINO eingerichtet hat,
so dass das Ganze von den Karteikarten in den PC übertragen werden musste.
Außerdem waren ja auch noch die rund 3500 Exponate, die im Depot eingelagert
sind, zu erfassen. Inzwischen sind es rd. 6500 Ausstellungsstücke, die wir in
unserem inventarisierten Bestand haben, von denen unser Haus- und Hofphotograph
Steffen Schanz mittlerweile etwa die Hälfte auch photografisch erfasst und in
das Programm eingearbeitet hat.

Eines hat diese nun über mehrere Jahre laufende Aktion auch
deutlich gemacht, nämlich welche immense Fleißarbeit Simon Hafenecker geleistet
hat. Denn den größten Teil aller dieser Exponate hat er in den Anfangsjahren
erfasst; mit seinen Helfern Josef Hofbauer und Erwin Kassner hat er monatelang
daran gearbeitet. Mit seiner Bestandsaufnahme, eine Art Kurzinventar, bei der
er aber schon alle verfügbaren Daten über Herkunft und Bedeutung der
Gegenstände gesammelt hat, hat er wertvolle Vorarbeit erbracht; vieles wäre
ohne seine Arbeit nicht mehr nachvollziehbar gewesen.

Bei einem solchen Rückblick soll aber auch die Leistung der
Stadt Ebern gewürdigt werden, die ihre Zusage der bestmöglichen Unterstützung
bis heute gehalten hat. Sie stellt uns das Haus kostenlos zur Verfügung und
zahlt die Kosten für Heizung und Strom. Sie hat auch ihrer Baulast in
hervorragender Weise genügt. Es wurde u.a. 
das Gebäudedach isoliert und neu eingedeckt, die Fassade erneuert und
eine Toilettenanlage eingebaut. Vor 2 – 3 Jahren hat sie die Kellerwand auf der
Seite zum Nachbaranwesen aufwendig isoliert, um der eintretenden Nässe Herr zu
werden, im letzten Jahre wurde das Dach der Toilettenanlage erneuert und wir
erhielten über unseren Bürgerpunschausschank ein Schleppdach sowie Warm- und
Kaltwasser in den Hof.

Schließlich wollen wir auch die vielen privaten Spender
sowie die Eberner Banken und Firmen nicht vergessen, die durch ihre Spenden und
sonstigen Hilfen vieles erst möglich gemacht haben.

Zum 25. Geburtstag unseres Museums im Jahre 1998 schrieb ich
in der Jahresgabe, der unser heutiger Vortrag im Wesentlichen entnommen ist:

„Wird das Museum auch seinen 50. Geburtstag feiern können?

Ich habe meine Zweifel, dass der Bürgerverein das wie bisher
vor allem personell allein leisten kann. Man wird neue Wege finden müssen.
Eines ist sicher: Das Museum braucht eine verantwortliche (Fach)- kraft. Es
muss jemand da sein, der es leitet, der Konzepte entwickelt und umsetzt, der
inventarisiert, der die Exponate pflegt und renoviert, kurz: der das Museum am
Leben hält. Sonst verkommt es zur Rumpelkammer.

 

Der Verein und die Stadt müssen wissen, ob sie das Museum
auch weiterhin wollen und dann müssen sie etwas für es tun, damit es die Zeit
überdauert. Vielleicht kann man dann eines Tages die Art und Weise unserer
heutigen Museumsführung als liebenswertes Relikt aus früherer Zeit dort hin
tun, wo sie hingehört: ins Heimatmuseum“.



 

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