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Artikel  (Fränkischer Tag)

Bürgerverein würdigt Eberner Heimatdichter

26.04.2012   Ort: Ebern Von: Katharina Gerstenkorn und Ralf Kestel

Selbst das Internet weiß nicht viel über Josef Lichtenebert. "Gibt man den Namen ein, erscheint nur die Straße und auch Wikipedia kennt ihn nicht. Hier gibt es also noch Nachholbedarf", sagte Bürgermeister Robert Hermann (CSU) am Mittwochabend am Grab des Mannes. Dabei war der vor 90 Jahren verstorbene Heimatdichter zumindest für Ebern eine wichtige Persönlichkeit.

Der gelernte Konditor, der 1858 bis 1922 im heutigen Heimatmuseum lebte, gab nach zehn Jahren seinen Beruf auf, um "Forstaufseher über die großen Gemeinde- und Bürgerwaldungen Eberns" zu werden, erklärt Ingo Hafenecker. Der Vorsitzende des Bürgervereins stellte am Mittwoch, bei der Enthüllung des neu gestalteten Grabsteins den Heimatdichter vor.


In Schule gelehrt




"Vielen Älteren dürfte er noch aus der Schule bekannt sein." Früher gehörte das bekannteste Gedicht des Heimatdichters "Der Engel und der Tod auf dem Grauturm zu Ebern" einfach zum Lehrplan. Heute kennt es - außer den Älteren - kaum mehr jemand. Um den Teilnehmern an der Gedenkfeier das Gedicht wieder in Erinnerung zu rufen, trug es Katharina Gerstenkorn vor.

Doch Lichtenebert war mehr als nur Forstaufseher. Neun Jahre lang, von 1885 bis 1893, führte er den Turnverein Ebern als Erster und Zweiter Vorsitzender. "Dafür ernannte ihn der Turnverein 1893 zum Ehrenmitglied", berichtete Ingo Hafenecker weiter.

Ab 1902 zeigten sich erste Zeichen einer schweren Gicht, die ihn ab 1907 an den Rollstuhl fesselte. Das hielt ihn aber nicht davon ab, weiter zu dichten. Karl Hoch berichtete, wie Lichtenebert "halb aufgerichtet, den Federhalter in der verkrüppelten Rechten, im Bette geschrieben und gearbeitet" hat.

Wann Lichtenebert mit dem Dichten angefangen hat, lässt sich nicht mehr feststellen. Sicher ist nur, dass er 1888 bereits sein erstes Gedichtbändchen veröffentlicht hat. "Damals war er 30 Jahre alt", stellte Bürgermeister Hermann fest.


210 Gedichte


"Dabei stellt man sich unter einem Heimatdichter eigentlich immer einen älteren Herrn mit weißem Haar vor", schmunzelte das Stadtoberhaupt. "Es ist schon überraschend, wie so ein junger Mensch seine Heimat so kreativ beschrieben hat." Insgesamt sind von Josef Lichtenebert 210 Gedichte und zwei Balladen erhalten, veröffentlicht in zwei Gedichtbändchen.

Der Heimatdichter versorgte nicht nur seine Mitbürger "für hunderte Anlässe des Lebens" mit Reimen und Versen. Auch König Ludwig II. sandte er 1885 zum Geburtstag "eine enthusiastische dichterische Huldigung", wofür er als Dank einen Brief des Königs und eine kleine Unterstützung aus der Hofkasse erhielt. 1912 schenkten ihm der König und seine Gemahlin Maria Theresia sogar ein Bildnis "mit den eigenhändigen Unterschriften" der Majestäten, wie Ingo Hafenecker berichtet.


Sandstein-Findling vom Steinberg


Der eigentliche Grund, weshalb am Mittwochabend etwa 20 Personen auf dem Friedhof zusammen gekommen waren, war aber nicht, um etwas über das Leben eines fast vergessenen Heimatdichters zu hören, sondern um etwas zu sehen.

Nämlich den neu gestalteten Grabstein für besagten Mann. Schon seit einigen Jahren, so berichtet Bürgermeister Robert Hermann, habe sich die Stadt darüber Gedanken gemacht. "Aber die Stadt braucht nun mal lange, bis sie sich zu einer Entscheidung durchringen kann", deshalb war er froh, als Ingo Hafenecker auf ihn zukam: "Der Bürgerverein ist der heimatverbundene Herzverein Eberns, er kümmert sich", lobte Hermann den Verein und sein Engagement. 1225 Euro hatten 37 Mitglieder gespendet.

So ging es schnell von der ersten Idee, einen Findling aus dem Wald zu holen, bis zur feierlichen Enthüllung des Grabsteins. "Den Findling hat unsere Wandergruppe an der Franz-Kirchner-Hütte aufgestellt", berichtetet Hafenecker. Von dort holte ihn Steinmetz Sven Kuhnert im Herbst ab, brachte ihn zur Museumsnacht in den Wolz'n-Garten und begann mit der Bearbeitung.


Ehrenes Andenken für den Dichter


Nun ist das Werk vollendet und alle Eberner können den " wie ich finde, gelungenen Grabstein" besuchen, so Hafenecker. "Es ist schön, dass Lichtenebert nach all diesen Jahren durch seine Gedichte noch zu uns sprechen kann. Wir wollen ihm ein ehrendes Gedächtnis bewahren", so der Bürgermeister, der in seiner kleinen Ansprache ebenfalls ein Gedicht Lichteneberts, "meine Heimat", vortrug. "Er war in der Kaiserzeit ein national hochgestimmter Bürger."

Herrmann war froh darüber, dass sich der Bürgerverein der Grabpflege annimmt, nachdem bislang "keine besondere Fürsorge" erkennbar gewesen sei. Hafenecker sprach von einem "armseligen Zustand". Der Bürgermeister: "In seinen Gedichten lebt er weiter und spricht zu uns, auch wenn seine Verse in den Schulen nicht mehr gelernt werden"

Den würdigen Rahmen verliehen die Jagdhornbläser mit einem Choral und dem "Gebet der Jäger"der kleinen Feier. "Immerhin war Lichtenebert auch Forstaufseher, da passt das wunderbar", freuten sich Hafenecker und Herrmann.

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